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  DAS VERSCHWINDEN
IN DER KUNST
   

   
 
  CamouFlash
  Verschw. i. d. Kunst
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Während der Analyse der zu Camouflash bereits entstandenen Arbeiten sowie des philosophischen Hintergrund, Jean Baudrillard, trat eine gewisse Divergenz innerhalb der Konzeption zunehmend in den Vordergrund. Viele Philosophen attestieren der Gegenwartskunst eher die Rolle der Ohnmacht, als die Möglichkeit der bewussten Reflektion und des Agierens.
Nach einer Metapher Sloterdijks befinden wir uns aktuell auf einer Baustelle. Es ließe sich erweitern, auf einer Baustelle, im Zustand des Rohbaus. Der Mensch hat sich lange gegen eine übermächtige Natur und gegen eine Vielzahl von Geisterwelten behaupten müssen. Nun ist er selbst Herr der Realität geworden, befindet sich aber noch in einem übersteigerten Bestreben eines zunehmend im Wahn verlaufenden Umsetzungs- und Realisierungszwanges, einer gewissen Totalerschließung der Welt.
Dieser Zwang wird im Warenfetischismus der Kunstwelt im Kunstwerk als 1:1-Wertanlage verwirklicht: Kunstwerk gleich Kunstwert, gleich Kurs, gleich Aktie, gleich Nomminierungstabelle oder demokratischer formuliert, gleich Anklickquote, insofern die Kunstsphäre selbst als Sphäre der Tarnung, als Habitus, als Ikone einer sich selbst schützenden Unverbindlichkeit wirkt.
Diese Annahme ist provokant und problematisch zugleich, da die Kunst anderes kann und anderes will, dies aber nur noch selten in der Lage ist hervorzubringen, da die Kontexte in denen wahrgenommen wird, wahrgenommen werden darf, zum guten Teil anderen Interessen dienen.
Geben sich die Kunstwerke weiterhin mit dem Aufenthalt in einer Sphäre des elitären Genusses zufrieden, in Sphären der Spiegelung, der Illusion und des Scheins, so verbleiben sie als vorhandene Vehikel am falschen Ort, denn sie sind es, in welchen verborgen liegt, was die Um- und Ausgestaltung des Vorhandenen ermöglicht. Die Welt ist erschlossen und bekannt, das Unbekannte liegt nicht mehr außerhalb von uns. Die Kunst ist gefragt, das Unbekannte, die Leerstellen selbst zu erzeugen und diese als notwendiges, Welten generierendes Prinzip anzubringen.
Das Verschwinden in der Kunst greift damit ganz bewusst sich scheinbar ausschließende Haltungen auf, welche aber in ein und derselben Formulierung zusammenfinden: das kritisch zu sehende Abtauchen in einer selbstbezüglichen Sphäre als auch das Betonen des wiederholten Auftretens einer bewusst eingesetzten Zurückhaltung, eines Unsichtbarmachens. Das Verschwinden ist also durchaus als Stärke zu sehen, als gekonnte ästhetische Strategie, als Zurücktreten, um etwas anders besser hervortreten zu lassen.

Anja Tabitha Rudolph